International 20.08.2019

WM-Kolumne: All inklusiv

WM-Kolumne: All inklusiv
Lin Dan [Foto/LIVE: BadmintonPhoto]
Von Sven Heise
Das letzte Spiel dauert immer drei Sätze - diese alte Turnierregel galt auch am ersten Tag der TOTAL BWF Badminton-WM in Basel. Dabei erwischte es mit dem Inder Sameer Verma den ersten und bisher einzigen gesetzten Spieler, dem Setzplatz 10 gegen Loh Kean Yew auch nichts nutzte.
Die Überraschungen blieben also aus, im negativen Sinne leider auch für das deutsche Team, von dem nur Mark Lamsfuß und Isabel Herttrich die zweite Runde erreichten, während die anderen deutschen Spieler die favorisierten Gegner nicht ärgern konnten. Gegen das Schweizer Duo Oliver Schaller und Celine Burkart gelang Mark und Isabel ein 21:15, 21:17-Erfolg.

Nachsitzen musste am Nachmittag Superstar Lin Dan, der gegen Tien Minh Nguyen erst im dritten Satz gewann. Ob der fünffache Weltmeister seiner beeindruckenden Sammlung einen weiteren Titel hinzufügen kann, erscheint zweifelhaft. Topfavorit Kento Momota hatte ebenfalls einen vietnamesischen Gegner, benötigte gegen Cao Cuong Pham allerdings nur 34 Minuten und siegte 21:9, 21:10.

Im nächsten Jahr kann der 35-jährige Lin Dan es ja dann auch mal bei den Altersklassen-WM versuchen. Bei der diesjährigen AK-WM, die vor wenigen Tagen in Kattowitz ausgetragen wurde, konnte wiederum die Israelin Svetlana Zilberman zwei Titel in O60 gewinnen - im Einzel und im Doppel mit Heidi Bender aus Deutschland. Da Heidi für ein Doppel bei der WM in Basel nicht zur Verfügung stand, versuchte es Svetlana im Mixed mit ihrem Sohn Misha, der in der Badminton-Bundesliga als Einzelspieler gut bekannt ist. Mit einem weiteren Titel dieses Jahr wird es für Svetlana Zilberman allerdings nichts, die Mutter-Sohn-Kombi unterlag Alex Vlaar und Mariya Mitsova nach guter Leistung 14:21, 16:21.

In meinem Job als Foto-Marshall habe ich am Montag laut iPhone 16,5 km zurückgelegt und 31 Stockwerke bezwungen. Einmal den Fotografenkollegen die Arbeitsplätze zeigen und zurück ins Mediencenter sind tausend Schritte. Nach kurzfristiger Änderung des geplanten Eingangswegs zu den Spielfeldern dreißig Minuten vor Matchbeginn brauchte ich beim Rundgang mit den Fotografen drei Versuche, um die richtige Tür zu finden, aber die internationale Presse nahm es mit Humor und die Fotografen verhielten sich den ganzen Tag so professionell und korrekt, wie es bei einer Weltmeisterschaft sein sollte.

Nachdem sie nun schon tagelang trainieren, geht es am Dienstag endlich auch für die Para-Badmintonspieler los. Es lohnt sich für alle Zuschauer, auch mal in die Hallen 2 und 3 zu gehen und diesen großartigen Athleten zuzuschauen. Ob sie im Rollstuhl sitzend mit einem Arm schlagen und mit dem anderen den Rückschlag des Rollstuhl ausgleichen, ob sie mit fehlenden oder versteiften Gliedmaßen dem Federball nachjagen oder ob sie als Kleinwüchsige über das Feld hechten - sie alle eint mit Lin Dan die Freude am Badminton, der Spaß an unserem faszinierenden Sport.