International 2016.08.24

Olympische Statistiken: Zahlen und Kurioses aus Rio

Olympische Statistiken: Zahlen und Kurioses aus Rio
[Foto/LIVE aus Rio: BADMINTONPHOTO]
Von Bernd-Volker Brahms
Badmintonspieler wie der 19-jährige Soren Opti aus Surinam lieferten in Rio keine Schlagzeilen. Dennoch ist der Mann bei den Superlativen in der Turnierstatistik gleich mehrfach vertreten. Der jüngste Spieler des Turniers spielte auch das kürzeste Match (21 Minuten) und schaffte es dabei einen Satz mit nur einem Federball durchzuspielen. Mit Doppelspielerin Johanna Goliszewski (30) ist auch eine Deutsche bei den bemerkenswerten Statistiken vertreten: sie bekam eine von zwei Gelben Karten des Turniers. Hier gibt es weitere interessante Infos.
Teilnehmer:

172 (86 Männer/86 Frauen)

46 Nationen waren vertreten, in London waren es noch 51 Nationen. Das größte Kontingent stellte China mit 15 Akteuren, gefolgt von Korea (14) und Indonesien (10). Lediglich China, Dänemark, Großbritannien, Deutschland, Indonesien, Japan, Korea und Malaysia waren in allen fünf Disziplinen dabei.

Teilnehmer nach Disziplinen/Anzahl der Spiele:

HE: 41 Teilnehmer/56 Spiele
DE: 40 Teilnehmer/54 Spiele
HD: 16 Paarungen/32 Spiele
DD: 16 Paarungen/32 Spiele
MX: 16 Paarungen/32 Spiele

Spieldauer:

HE: 42:20 Stunden; im Schnitt 45 Minuten pro Match
DE: 36:27 Stunden; im Schnitt 41 Minuten pro Match
HD: 27:38 Stunden; im Schnitt 52 Minuten pro Match
DD: 27:00 Stunden; im Schnitt 51 Minuten pro Match
MX: 23:52 Stunden; im Schnitt 45 Minuten pro Match

Mit einer Spieldauer von 97 Minuten war das Viertelfinalspiel zwischen Chen Long (China) und dem Koreaner Son Wan Ho (21:11, 15:21, 21:11) die längste Partie des Turniers.

Mit einer Spieldauer von 21 Minuten war das Gruppenspiel zwischen Lee Chong Wei (Malaysia) und Soren Opti (21:2, 21:3) aus Surinam das kürzeste.

Die gesamte Spielzeit aller Partien betrug 156,37 Stunden. In London waren es 123,68 Stunden. Allerdings fielen seinerzeit allein zehn Spiele aus, weil im Damendoppel acht Spielerinnen disqualifiziert wurden.

Ballverbrauch:

HE: 951 Stück; im Schnitt 17 Bälle pro Spiel
DE: 581 Stück; im Schnitt 10,8 Bälle pro Spiel
HD: 547 Stück; im Schnitt 17,1 Bälle pro Spiel
DD: 416 Stück; im Schnitt 13 Bälle pro Spiel
MX: 362 Stück; 11,3 Bälle pro Spiel

Insgesamt wurden beim Turnier 2857 Federbälle verbraucht. Das entspricht 238 Rollen á 12 Bälle. Im Herreneinzel wurde am kräftigsten zugeschlagen.

Kurios: Lee Chong Wei benötigte in seinem ersten Spiel (21:2, 21:3) gegen Soren Opti aus Surinam im ersten Satz lediglich einen Ball. Den größten Verschleiß hatten im Halbfinale Lee Chong Wei und Lin Dan mit 48 Bällen. Beim von der Dauer (97 Minuten) längsten Spiel (Chen Long-Son Wah Ho) wurden lediglich 14 Bälle verbraucht. Bei den Damen zwischen Carolina Marin und Li Xuerui (21:14, 21:16) wurden stolze 27 Bälle verbraucht - wohlgemerkt bei einem Zweisatzspiel.

Längste Ballwechsel:

HE: 97 Schläge (100 Sekunden)
DE: 50 Schläge (89 Sekunden)
HD: 73 Schläge (99 Sekunden)
DD: 106 Schläge (109 Sekunden)
MX: 50 Schläge (60 Sekunden)

Der längste je bei einem internationale Turnier registrierte Ballwechsel hatte 255 Schläge und wurde 2015 bei den Denmark Open im Achtelfinale zwischen den Japanerinnen Naoko Fukuman und Kurumi Yonao sowie den Taiwanesen Pool Lok Yan und Tse Ying Suet gespielt.

Videobeweis:

Erstmals wurde bei Olympischen Spielen beim Badminton mit einem Videobeweis ("Challenge") gearbeitet. Jeder Spieler/jede Paarung hatte pro Satz zweimal die Gelegenheit, den Videobeweis zu fordern. Dies wurde mit Fortlauf des Turniers immer intensiver genutzt. Im Schnitt wurde dies mindestens einmal pro Spiel genutzt, im Herreneinzel sogar zweimal durchschnittlich. Häufig belegte der Videobeweis, dass die Linienrichter mit ihren Entscheidungen richtig lagen.

HE: 105mal
DE: 76mal
HD: 38mal
DD: 33mal
Mx: 33mal

Verwarnungen:

Im gesamten Turnier gab es lediglich zwei gelbe Karten und die zeigte die chinesische Schiedsrichterin Zheng Sanliang am zweiten Spieltag in einem Damendoppel-Gruppenspiel. Zunächst erhielt die Koreanerin Chang Ye Na (bei 10:10 im dritten Satz) wegen Spielverzögerung der Gelbe Karte. Beim Spielstand von 19:15 bekam dann auch die Deutsche Johanna Goliszewski wegen des gleichen Vergehens die Gelbe Karte.

Zeitplan/Ticketpreise:

Mit insgesamt zehn Spieltagen war das Turnier in Rio das längste in der Geschichte des Sportes. Es wurde in insgesamt 20 Sessions gespielt (in London waren es neun Tage und 24 Sessions). Die Eintrittskartenpreise (für deutsche Zuschauer nur über DER erhältlich) mussten zwischen 19 Euro und 97 Euro für eine Karte bezahlen. Einheimische Brasilianer kamen günstiger an die Tickets.

Zum Vergleich (die Endspielpreise für das Herreneinzel bei zurückliegenden Olympischen Spielen):

2016: Rio de Janeiro: 97 Euro und 67 Euro
2012: London: 240 Euro, 152 Euro, 104 Euro und 72 Euro
2008: Peking: 68 Euro und 27 Euro
2004: Athen: 38 Euro
2000: Sydney: 115 Euro
1996: Atlanta: 74 DM
1992: Barcelona: 51 DM und 34 DM

Jüngste/älteste Teilnehmer:

Der jüngste Teilnehmer des Turniers war der 19-jährige Soren Opti aus Surinam, der im Herreneinzel dabei war. Bei den Frauen war die einen Monat ältere und ebenfalls 19-jährige Japanerin Akane Yamaguchi die jüngste Teilnehmerin. Die zweifache U19-Weltmeisterin (2013, 2014) konnte sogar bis ins Viertelfinale vordringen.

Der bei weitem älteste Teilnehmer war der polnische Mixedspieler Robert Mateusiak, der mit 40 Jahren noch Höchstleistung brachte. Mit Partnerin Nadiezda Zieba spielten sie sich als Gruppenerste in die K.o.-Runde vor. Älteste Frau im Feld war die Portugiesin Telma Santos, die mit 33 Jahren im Einzel antrat.

Und sonst noch:

Der 27-jährige Yu Jaspar Woon Chai aus Brunei war der bei weitem am schlechtesten in der Weltrangliste platzierte Spieler im Turnier. Er qualifizierte sich als Nummer 407 im Herreneinzel. Als Nummer 284 kam Soren Opti aus Surinam im Einzel nach Rio.

Dafür war der Japaner 21-jährige Japaner Kento Momota, der bis kurz vor Ende der Qualifikation die Nummer zwei der Weltrangliste war, nicht dabei. Weil er beim illegalen Glücksspiel erwischt wurde, zog der japanische Verband ihn Mitte Oktober komplett aus der Weltrangliste zurück.

Einen Nachrückerplatz bekam die Ungarin Laura Sarosi als Nummer 72 der Weltrangliste. Weil es zwei Spielerinnen gab, die sich in zwei Disziplinen qualifizieren konnten, bekam die 25-Jährige noch einen Startplatz. Es hatte eine Internetpetition gegeben, da die Ungarin sich nicht unmittelbar qualifiziert hatte, aber bei den Europameisterschaften eine außerordentliche Fair Play-Leistung abgeliefert hatte. Als im Zweitrundenmatch dieses letzten Quali-Turniers ihrer Gegnerin Karin Schnaase ein Schuh kaputt ging, lieh sie ihr spontan ein Ersatzpaar. Ohne die Geste hätte sie das Spiel durch Aufgabe von Schnaase gewonnen und wäre sicher in Rio dabei gewesen.

Die Litauerin Akvile Stapusaityie bekam erst zweieinhalb Wochen vor den Spielen die Absage. Ihre Startberechtigung hing damit zusammen, dass die Chinesin Zhao Yunlei sich sowohl im Doppel als auch im Mixed qualifiziert hatte. Die Chinesin sagte fürs Doppel aber ab, damit war auch der Startplatz der Litauerin kurzfristig wieder flöten, einen anderen Teilnehmer ihres Landes gab es nicht.





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